Wein ist nicht gleich Wein!

Was sagt das Gesetz?
In Deutschland muss Wein die Vorgaben für die Handelsbezeichnung Wein erfüllen. Dies bedeutet, dass das Getränk ausschließlich aus Früchten der Weinrebe hergestellt werden darf. Außerdem verlangt die EU-Gesetzgebung, dass ein Wein mindestens 8,5 Volumenprozent Alkohol enthalten muss.

Als Weine können ebenso Likörweine oder verstärkte Weine genannt werden. Verstärkte Weine haben durch eine Zugabe von Weinbrand, der sogenannten Aufspritung, einen erhöhten Alkoholgehalt. Hefe stirbt bei 17.5 Volumenprozent Alkohol ab. Dadurch wird die Gärung gestoppt und die Restsüße bleibt bestehen.

Beispiele für verstärkte Weine sind unter anderem:

  • Madeira – z.B. trockene Weine, die allein getrunken werden oder als Aperitif, bis zu süßen Weinen, die normalerweise mit dem Nachtisch konsumiert werden
  • Marsala – ein trockener oder süßer Wein, aus Region um die italienische Stadt Marsala in Sizilien. Während die Bewohner der Stadt manchmal ‚Vintage‘ Marsala trinken, ist der Wein für den Export allgemein verstärkt
  • Sherry – ein verstärkter Wein aus weißen Trauben, die in der Nähe der Stadt Jerez de la Frontera in Andalusien, Spanien angebaut werden
  • Portwein – ein verstärkter Wein, zu dem ein destillierter Alkohol, normalerweise Brandy, hinzugefügt wird
  • Wermuth – ist ein ‚gespriteter‘ Wein, der mit destilliertem Alkohol verstärkt ist, und mit Kräutern und Gewürzen aromatisiert
  • Schweizer Gletscherwein – wird im Walliser Bezirk Siders hergestellt. Er wird nach lokaler Tradition auf über 1.200m ü.d.M. produziert
    Weitere Formen von Weinprodukten
  • Als Schaumweine werden Weine aufgrund ihres Kohlendioxidgas-Gehaltes bezeichnet, die einen Druck von mehr als 3 bar aufweisen. Die bekanntesten sind der französische Crémant und Champagner. In Deutschland wird Sekt und Winzersekt produziert, in Spanien Cava und in Italien Spumante. Deutscher Perlwein, französischer Vin Pétillant und der italienische Frizzante gelten als halbschäumender Weine aufgrund von nur 2,5 bar in der Flasche
  • Wein, der während der Gärungsphase verköstigt wird, ist als Neuer Wein oder Federweißer etc. im Handel
  • Weinhaltige Getränke beinhalten zur Aromatisierung oder zur Verdünnung noch weitere Stoffe. Weinhaltigen Getränke sind z.B. Sangría oder Weinschorle
  • Es gibt darüber hinaus weinähnliche Getränke, die dazu im Unterschied nicht aus Beeren der Weinrebe hergestellt werden, sondern aus dem Saft von Früchten oder weiteren zuckerhaltigen Grundstoffen. Diese sind u.a. Obstwein, Met (aus Honig) oder auch Rhabarberwein. Diese Getränke müssen stets die beinhalteten Fruchtsorten kennzeichnen, z.B. Wein aus Äpfeln = Apfelwein
  • Reiswein oder andere vergorene Produkte aus stärkehaltigen Grundstoffen werden hierzulande nicht als weinähnliche Getränke betrachtet.

Geschichte des Weines

Die Ursprünge des Rebensafts
Die frühesten archäologischen Nachweise von Traubenwein und Weinanbau können auf zwischen 6.000 und 5.800 v. Chr. datiert werden. Sie wurden auf dem Gebiet des heutigen Georgiens gefunden. Die früheste Produktion von Wein erfolgte wahrscheinlich später im Südkaukasus oder in der westasiatischen Region zwischen der Osttürkei und dem nordwestlichen Iran. Das mindestens 6.100 Jahre alte Areni-1 Weingut in Armenien ist der früheste Beweis für eine Weinproduktionsanlage. Die frühesten Belege für ein fermentiertes Getränk auf Traubenbasis wurden ca. 7.000 v. Chr. in China entdeckt.

Ein Bericht von Archäologen aus dem Jahr 2003 zufolge wurden in China schon vor über 9.000 Jahren Trauben mit Reis vermischt, um ein fermentiertes Getränk zu erhalten. Keramikgefäße aus der neolithischen Stätte von Jiahu, Henan, enthielten Spuren von Weinsäure und anderen organischen Verbindungen, die üblicherweise in Wein gefunden werden.

Die Ausbreitung der Weinkultur nach Westen ist höchstwahrscheinlich auf die Phönizier zurückzuführen. Diese erfolgte von deren Stadtstaaten entlang der Mittelmeerküste (des heutigen Syrien, Libanon, Israel und Palästina). Die Weine von Byblos wurden nach Ägypten während des Alten Reiches und dann in den gesamten Mittelmeerraum exportiert. Beweis hierfür sind zwei phönizische Schiffswracks aus dem Jahr 750 v. Chr., die von Robert Ballard entdeckt wurden, und dessen Ladung Wein noch intakt war. Als erste großen Weinhändler (Cherem) schützten die Phönizier die Weine offenbar mit einer Schicht Olivenöl vor Oxidation, gefolgt von einem Siegel aus Kiefernholz und Harz, ähnlich wie Retsina.

Wein in der Literatur
Literarische Verweise auf Wein gibt es reichlich bei Homer (8. Jahrhundert v. Chr.), Alkman (7. Jahrhundert v. Chr.) und anderen. Im alten Ägypten wurden sechs von 36 Weinamphoren im Grab von König Tutanchamun geborgen, der den Namen ‚Kha’y‘ trug, ein königlicher Hauptwinzer. Fünf dieser Amphoren stammten also aus dem persönlichen Besitz von König Tutanchamun, der sechste aus dem Besitz des königlichen Hauses von Aten. Spuren von Wein wurden auch im zentralasiatischen Xinjiang im heutigen China gefunden, die aus dem zweiten und ersten Jahrtausend vor Christus stammen.

Die erste Erwähnung von Traubenweinen in Indien stammt aus den Schriften von Chanakya aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr., dem Chefminister von Chandragupta Maurya. In seinen Schriften verurteilt Chanakya den Genuss von Alkohol, während den häufigen Genuss des Herrschers eines als ‚madhu‘ bekannten Weines berichtet.

In vino veritas
Die alten Römer legten Weinberge in der Nähe von Garnisonsstädten an, so dass Wein lokal produziert werden konnte, anstatt über lange Strecken verschifft zu werden. Einige dieser Gebiete sind heute noch weltberühmt für die Weinproduktion. Die Römer entdeckten, dass brennende Schwefelkerzen in leeren Weinfässern diese frisch und frei von Essiggeruch hielten. Im mittelalterlichen Europa unterstützte die römisch-katholische Kirche den Wein, weil der Klerus ihn für die Messe verwendete. Mönche in Frankreich lagerten Wein jahrelang in Höhlen. Ein altes englisches Rezept, das bis ins 19. Jahrhundert in verschiedenen Formen überliefert wurde, erfordert die Verfeinerung von verdorbenem ‚Bastardo-Wein‘, bastard-schlechtem Weißwein.