Europäische Klassifikationen von Weine

Frankreich hat verschiedene Systeme zur Wein-Appellation, basierend auf dem Konzept des Terroirs:

  • Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) – Alle Weine sind von höherer Qualität. Die strengen Regeln umfassen Anbau und Erzeugung, Herkunft, Rebsorte, Mindestalkoholgehalt usw.
  • Appellation d’Origine Vin de Qualité Supérieure (AOVDQS) – Regeln gelten für die Produktionsorte, Traubensorte, Mindestalkohol, Methoden des Anbaus etc.
  • Vin de Pays „Landwein“ – In Frankreich gibt es ungefähr 150 verschiedene ‚Vin de Pays‘ Appellationen für jedes Herkunftsgebiet. Winzer müssen bestimmte Rebsorten verwenden. Die Vorschriften sind weniger restriktiv als für AOC-Weine.
  • Vin de Table „Tafelwein“ – Etwa 40 bis 50 Prozent des in Frankreich erzeugten Weins fallen in die Kategorie der Tafelweine. Es ist die niedrigste Klassifizierung. Es gibt wenige Beschränkungen und Regeln. Auf den Etiketten muss das Herkunftsgebiet nicht erwähnt werden.
    Portugal hat ein System entwickelt, das dem von Frankreich ähnelt. 1756 wurde dies durch eine königliche Charta eingeführt, die die abgegrenzte Douro-Region schuf und die Produktion und den Handel mit Wein übersah.

Deutschland schuf im Jahr 2002 ein ähnliches System, obwohl es noch nicht den gleichen Stand von Klassifizierungssystemen anderer Länder erreicht hat.

Spanien, Griechenland und Italien haben Klassifizierungen, die auf einem dualen System der Herkunftsregion und der Produktqualität basieren.

Die Klassifizierung von Weinen

Offizielle Verordnungen regeln die Klassifizierung und den Verkauf von Wein in vielen Regionen der Welt. Europäische Weine werden tendenziell nach Regionen klassifiziert (z. B. Bordeaux, Rioja und Chianti), außereuropäische Weine meist nach Trauben (z. B. Pinot Noir und Merlot). Die Anerkennung bestimmter Regionen hat dazu geführt, dass sie auf außereuropäischen Weinetiketten eine größere Bedeutung erlangt haben. Anerkannte außereuropäische Länder sind u.a. Napa Valley, Santa Clara Valley, Sonoma Valley, Anderson Valley und Mendocino County in Kalifornien; Willamette Valley und Rogue Valley in Oregon; Columbia-Tal in Washington; Barossa Valley in Südaustralien; Hunter Valley in New South Wales; Luján de Cuyo in Argentinien; Zentraltal in Chile; Vale dos Vinhedos in Brasilien; Hawke’s Bay und Marlborough in Neuseeland. In Kanada sind das Okanagan Valley in British Columbia und die Regionen Niagara Peninsula und Essex County in Ontario die drei größten Produzenten.

Einige ‚Blended-Wine‘-Namen sind Marketingbegriffe, deren Verwendung eher durch Markenrecht als durch spezifische Weingesetze geregelt wird. Zum Beispiel, ‚Meritage‘ ist in der Regel eine Mischung aus Cabernet Sauvignon und Merlot im Bordeaux-Stil, kann aber auch Cabernet Franc, Petit Verdot und Malbec enthalten. Die kommerzielle Nutzung des Begriffs Meritage ist nur über Lizenzvereinbarungen erlaubt.

Was ist eigentlich Wein?

Was wird als Wein definiert?
Wein (vom Lateinischen ‚Vinum‘) ist ein aus Trauben hergestelltes, alkoholisches Getränk, in der Regel Vitis Vinifera. Wein wird ohne Zusatz von Zucker, Säuren, Enzymen oder Wasser fermentiert.

Hefe setzt den Zucker in Trauben in Ethanol und Kohlendioxid um. Verschiedene Rebsorten und Hefestämme produzieren verschiedene Weinarten. Diese Variationen resultieren aus den komplexen Wechselwirkungen zwischen dem biochemischen Zustand der Traube, den Reaktionen bei der Fermentation, dem Terroir, und dem Prozess der Weinproduktion.

Einige Länder erlassen gesetzliche Vorgaben, sogenannte Appellationen, die die Weinarten und -qualitäten entsprechend definieren sollen. Diese regulieren entsprechend die geografische Herkunft der Trauben und erlauben bestimmte Rebsorten sowie andere Aspekte der Weinproduktion. Weine, die nicht aus Trauben hergestellt werden, gelten z.B. als Reiswein oder Fruchtweine wie Pflaume, Kirsche, Granatapfel und Holunder.

Herkunft des Weines
Wein wird seit Tausenden von Jahren produziert. Die frühesten bekannten Nachweise von Wein stammen aus Georgien (ca. 6.000 v. Chr.), dem Iran (ca. 5.000 v. Chr.) und Sizilien (ca. 4.000 v. Chr.), obwohl ein ähnliches alkoholisches Getränk schon früher in China konsumiert wurde (ca. 7.000 v. Chr.). Das älteste bekannte Weingut ist das 6.100 Jahre alte Weingut Areni-1 in Armenien. Der Wein erreichte den Balkan um 4.500 v. Chr. und wurde im antiken Griechenland, Thrakien und Rom genossen und zelebriert. Im Laufe der Geschichte wurde Wein schon lange wegen seiner berauschenden Wirkung verzehrt.

Der Geist des Weines
Der Wein spielt schon lange in der Religion eine wichtige Rolle. Rotwein wurde von den alten Ägyptern mit Blut assoziiert und wurde sowohl vom griechischen Dionysoskult als auch von den Römern in ihren Bacchanalien verwendet. Das Judentum bezieht es auch in den Kiddusch und das Christentum in der Eucharistie mit ein.

Wein ist nicht gleich Wein!

Was sagt das Gesetz?
In Deutschland muss Wein die Vorgaben für die Handelsbezeichnung Wein erfüllen. Dies bedeutet, dass das Getränk ausschließlich aus Früchten der Weinrebe hergestellt werden darf. Außerdem verlangt die EU-Gesetzgebung, dass ein Wein mindestens 8,5 Volumenprozent Alkohol enthalten muss.

Als Weine können ebenso Likörweine oder verstärkte Weine genannt werden. Verstärkte Weine haben durch eine Zugabe von Weinbrand, der sogenannten Aufspritung, einen erhöhten Alkoholgehalt. Hefe stirbt bei 17.5 Volumenprozent Alkohol ab. Dadurch wird die Gärung gestoppt und die Restsüße bleibt bestehen.

Beispiele für verstärkte Weine sind unter anderem:

  • Madeira – z.B. trockene Weine, die allein getrunken werden oder als Aperitif, bis zu süßen Weinen, die normalerweise mit dem Nachtisch konsumiert werden
  • Marsala – ein trockener oder süßer Wein, aus Region um die italienische Stadt Marsala in Sizilien. Während die Bewohner der Stadt manchmal ‚Vintage‘ Marsala trinken, ist der Wein für den Export allgemein verstärkt
  • Sherry – ein verstärkter Wein aus weißen Trauben, die in der Nähe der Stadt Jerez de la Frontera in Andalusien, Spanien angebaut werden
  • Portwein – ein verstärkter Wein, zu dem ein destillierter Alkohol, normalerweise Brandy, hinzugefügt wird
  • Wermuth – ist ein ‚gespriteter‘ Wein, der mit destilliertem Alkohol verstärkt ist, und mit Kräutern und Gewürzen aromatisiert
  • Schweizer Gletscherwein – wird im Walliser Bezirk Siders hergestellt. Er wird nach lokaler Tradition auf über 1.200m ü.d.M. produziert
    Weitere Formen von Weinprodukten
  • Als Schaumweine werden Weine aufgrund ihres Kohlendioxidgas-Gehaltes bezeichnet, die einen Druck von mehr als 3 bar aufweisen. Die bekanntesten sind der französische Crémant und Champagner. In Deutschland wird Sekt und Winzersekt produziert, in Spanien Cava und in Italien Spumante. Deutscher Perlwein, französischer Vin Pétillant und der italienische Frizzante gelten als halbschäumender Weine aufgrund von nur 2,5 bar in der Flasche
  • Wein, der während der Gärungsphase verköstigt wird, ist als Neuer Wein oder Federweißer etc. im Handel
  • Weinhaltige Getränke beinhalten zur Aromatisierung oder zur Verdünnung noch weitere Stoffe. Weinhaltigen Getränke sind z.B. Sangría oder Weinschorle
  • Es gibt darüber hinaus weinähnliche Getränke, die dazu im Unterschied nicht aus Beeren der Weinrebe hergestellt werden, sondern aus dem Saft von Früchten oder weiteren zuckerhaltigen Grundstoffen. Diese sind u.a. Obstwein, Met (aus Honig) oder auch Rhabarberwein. Diese Getränke müssen stets die beinhalteten Fruchtsorten kennzeichnen, z.B. Wein aus Äpfeln = Apfelwein
  • Reiswein oder andere vergorene Produkte aus stärkehaltigen Grundstoffen werden hierzulande nicht als weinähnliche Getränke betrachtet.

Geschichte des Weines

Die Ursprünge des Rebensafts
Die frühesten archäologischen Nachweise von Traubenwein und Weinanbau können auf zwischen 6.000 und 5.800 v. Chr. datiert werden. Sie wurden auf dem Gebiet des heutigen Georgiens gefunden. Die früheste Produktion von Wein erfolgte wahrscheinlich später im Südkaukasus oder in der westasiatischen Region zwischen der Osttürkei und dem nordwestlichen Iran. Das mindestens 6.100 Jahre alte Areni-1 Weingut in Armenien ist der früheste Beweis für eine Weinproduktionsanlage. Die frühesten Belege für ein fermentiertes Getränk auf Traubenbasis wurden ca. 7.000 v. Chr. in China entdeckt.

Ein Bericht von Archäologen aus dem Jahr 2003 zufolge wurden in China schon vor über 9.000 Jahren Trauben mit Reis vermischt, um ein fermentiertes Getränk zu erhalten. Keramikgefäße aus der neolithischen Stätte von Jiahu, Henan, enthielten Spuren von Weinsäure und anderen organischen Verbindungen, die üblicherweise in Wein gefunden werden.

Die Ausbreitung der Weinkultur nach Westen ist höchstwahrscheinlich auf die Phönizier zurückzuführen. Diese erfolgte von deren Stadtstaaten entlang der Mittelmeerküste (des heutigen Syrien, Libanon, Israel und Palästina). Die Weine von Byblos wurden nach Ägypten während des Alten Reiches und dann in den gesamten Mittelmeerraum exportiert. Beweis hierfür sind zwei phönizische Schiffswracks aus dem Jahr 750 v. Chr., die von Robert Ballard entdeckt wurden, und dessen Ladung Wein noch intakt war. Als erste großen Weinhändler (Cherem) schützten die Phönizier die Weine offenbar mit einer Schicht Olivenöl vor Oxidation, gefolgt von einem Siegel aus Kiefernholz und Harz, ähnlich wie Retsina.

Wein in der Literatur
Literarische Verweise auf Wein gibt es reichlich bei Homer (8. Jahrhundert v. Chr.), Alkman (7. Jahrhundert v. Chr.) und anderen. Im alten Ägypten wurden sechs von 36 Weinamphoren im Grab von König Tutanchamun geborgen, der den Namen ‚Kha’y‘ trug, ein königlicher Hauptwinzer. Fünf dieser Amphoren stammten also aus dem persönlichen Besitz von König Tutanchamun, der sechste aus dem Besitz des königlichen Hauses von Aten. Spuren von Wein wurden auch im zentralasiatischen Xinjiang im heutigen China gefunden, die aus dem zweiten und ersten Jahrtausend vor Christus stammen.

Die erste Erwähnung von Traubenweinen in Indien stammt aus den Schriften von Chanakya aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr., dem Chefminister von Chandragupta Maurya. In seinen Schriften verurteilt Chanakya den Genuss von Alkohol, während den häufigen Genuss des Herrschers eines als ‚madhu‘ bekannten Weines berichtet.

In vino veritas
Die alten Römer legten Weinberge in der Nähe von Garnisonsstädten an, so dass Wein lokal produziert werden konnte, anstatt über lange Strecken verschifft zu werden. Einige dieser Gebiete sind heute noch weltberühmt für die Weinproduktion. Die Römer entdeckten, dass brennende Schwefelkerzen in leeren Weinfässern diese frisch und frei von Essiggeruch hielten. Im mittelalterlichen Europa unterstützte die römisch-katholische Kirche den Wein, weil der Klerus ihn für die Messe verwendete. Mönche in Frankreich lagerten Wein jahrelang in Höhlen. Ein altes englisches Rezept, das bis ins 19. Jahrhundert in verschiedenen Formen überliefert wurde, erfordert die Verfeinerung von verdorbenem ‚Bastardo-Wein‘, bastard-schlechtem Weißwein.